Yvan Liard: «Heute produzieren wir für die ganze Welt»
Der Standort von CordenPharma in Villars-sur-Glâne feiert dieses Jahr sein 60-jähriges Bestehen. 1966 unter dem Namen Cooper gegründet, hat er im Laufe der Jahrzehnte verschiedene Epochen durchlaufen – von Galenica über Vifor Pharma bis zur Übernahme durch CordenPharma im Jahr 2022. Yvan Liard ist seit 2011 am Standort tätig und leitet ihn seit 2016. Damit hat er einen wichtigen Teil seiner Entwicklung und internationalen Ausrichtung begleitet. Im Interview spricht er über den Wandel der Pharmaindustrie, die Bedeutung des Humankapitals und die Stärken Freiburgs in einem globalisierten Markt.
CordenPharma feiert dieses Jahr sein 60-jähriges Bestehen in Villars-sur-Glâne. Wie blicken Sie auf diese Entwicklung zurück?
Wenn ich auf diese 60 Jahre zurückblicke, sehe ich vor allem eine menschliche Erfolgsgeschichte. Anlagen entwickeln sich weiter, Technologien verändern sich und Märkte wandeln sich. Den entscheidenden Unterschied haben aber die Frauen und Männer gemacht, die dazu beigetragen haben, diesen Standort zu dem zu machen, was er heute ist. Für mich ist dieses Jubiläum eine Gelegenheit, das Erreichte zu feiern, aber auch den Blick auf die nächsten 60 Jahre zu richten. Wir können auf einem äusserst soliden Fundament und einem hervorragenden Ruf aufbauen – sowohl innerhalb der Gruppe als auch bei unseren Kunden. Das gibt uns allen Grund, optimistisch in die Zukunft zu blicken.
Sie verfügen über langjährige Erfahrung in der Uhrenindustrie. Was hat Sie beim Wechsel in die Pharmaindustrie am meisten überrascht?
Eigentlich habe ich diesen Wechsel nicht als Bruch empfunden. In der Pharmaindustrie habe ich viele Werte wiedergefunden, die mir vertraut sind: hohe Ansprüche, Präzision, Liebe zum Detail und das Streben nach Exzellenz. Der wesentliche Unterschied liegt im Zweck des Produkts. In unserer Branche wissen wir, dass unsere Arbeit einen direkten Einfluss auf die Gesundheit und die Lebensqualität von Patientinnen und Patienten haben kann. Das verleiht unserer Tätigkeit einen besonderen Sinn und bringt zugleich eine besondere Verantwortung mit sich. Beeindruckt hat mich auch die Fähigkeit der Branche, sich ständig weiterzuentwickeln. Die Qualitätsanforderungen steigen kontinuierlich, gleichzeitig erwarten die Kunden mehr Schnelligkeit, Flexibilität und Innovation. All diese Erwartungen miteinander in Einklang zu bringen, ist zweifellos eine der grossen Herausforderungen der heutigen Pharmaindustrie.
Mehr als 90 % Ihrer Produktion werden heute exportiert. Wie hat der Standort dadurch eine neue Dimension erreicht?
Noch vor 20 Jahren produzierten wir hauptsächlich für den Schweizer Markt. Heute produzieren wir für die ganze Welt und stehen im Wettbewerb mit Unternehmen in Europa und den USA. Unser Geschäftsmodell hat sich grundlegend verändert: Seit unserer Integration in CordenPharma haben wir uns von einer Kostenstelle zu einem Profitcenter entwickelt. Diese internationale Ausrichtung zwingt uns, äusserst wettbewerbsfähig und agil zu sein. Die rund 30 Millionen Franken, die wir in unsere Anfang 2022 eröffnete neue Produktionsanlage investiert haben, markierten einen weiteren wichtigen Entwicklungsschritt. Damit konnten wir unsere Produktionskapazitäten erhöhen und unsere Dienstleistungen Kunden auf der ganzen Welt anbieten.
Die Technologien entwickeln sich rasant. Wie stellen Sie sicher, dass die Kompetenzen mit dieser Entwicklung Schritt halten?
Um sich nachhaltig weiterzuentwickeln, kann ein Standort wie unserer nicht nur in Infrastruktur und Anlagen investieren. Ebenso wichtig sind Investitionen in das Humankapital. Neue Technologien sind nur dann sinnvoll, wenn wir unsere Mitarbeitenden begleiten und weiterbilden, damit sie sich gemeinsam mit diesen Technologien weiterentwickeln können. Das ist umso wichtiger, als nicht alle von ihnen aus der Pharmaindustrie kommen. Wir müssen ihnen die Möglichkeit geben, neue Kompetenzen zu erwerben und gemeinsam mit uns die nächsten Entwicklungsschritte zu machen. Dieser Wille zur Ausbildung beginnt bereits bei der Berufslehre. Wir haben auch eine gesellschaftliche Verantwortung: Wir wollen jungen Menschen die Chance geben, unsere Berufe kennenzulernen und eine Ausbildung zu absolvieren. Das liegt mir persönlich sehr am Herzen. Das Schweizer Berufsbildungssystem ist hervorragend, und diese jungen Menschen sind potenziell auch unsere Fachkräfte von morgen.
Basel ist das Zentrum der Schweizer Pharmaindustrie. Was kann Freiburg einem solchen Standort entgegensetzen?
Wir haben einen Standort in Ettingen bei Basel, und auch unser operativer Hauptsitz befindet sich in Basel. Trotzdem ist es dort teilweise schwieriger, bestimmte Fachkräfte zu finden als in Freiburg. Unser Kanton wird zwar nicht als Pharma-Standort wahrgenommen, doch wir finden hier sehr qualifizierte Fachkräfte. Freiburg profitiert zudem von einer idealen geografischen Lage, einem multikulturellen Umfeld und einer guten Infrastruktur. Hinzu kommt ein Ökosystem, mit dem wir eng zusammenarbeiten. Sowohl die Kantons- als auch die Gemeindebehörden teilen unseren Willen, langfristig Wert zu schaffen – in einem Geist der Zusammenarbeit, den ich stets als vorbildlich erlebt habe. Freiburg hat viele Trümpfe in der Hand, auf die wir stolz sein können. Das darf man ruhig auch ab und zu sagen!
Kurz gefragt
Wenn CordenPharma Freiburg eine Eigenschaft wäre?
Resilienz.
Was überrascht an Ihrem Unternehmen am meisten?
Seine Fähigkeit, sich immer wieder neu zu erfinden.
Die grösste Herausforderung heute?
Exzellenz und Agilität miteinander zu verbinden.
Der wichtigste Standortvorteil Freiburgs für Ihr Unternehmen?
Die Menschen, die hier leben.
Und privat?
Die Lebensqualität – Natur, kurze Wege und Authentizität.
Eine Leidenschaft ausserhalb der Arbeit?
Wein und Motorsport.